150 Jahre Erdöl und Erdgas aus Deutschland
Abb.: Prof. Hunäus bohrte 1858/59 in Wietze bei Celle und fand 1859 Erdöl
Die deutsche Erdöl- und Erdgasproduktion ist so alt wie das Ölzeitalter. Zur gleichen Zeit, als in den USA nach Erdöl gesucht wurde, war in Deutschland die erste Erdölbohrung erfolgreich. Prof. Hunäus suchte im Auftrag des Königreichs Hannover nach Braunkohle und fand Erdöl. Im Frühjahr 1859, einige Monate vor der berühmten Bohrung in Titusville, USA, wurde in Wietze bei Celle eine Erdöllagerstätte gefunden, aus der in den folgenden 25 Jahren rund 20 Zentner Öl pro Jahr gewonnen werden konnten. Einen Ölboom in Deutschland löste diese Bohrung allerdings – anders als in den USA – nicht aus; weitere Bohrungen auch ausländischer Unternehmen waren zunächst wenig erfolgreich. Erst einige Jahre später, Anfang der 80er Jahre des 19. Jahrhunderts zog ein bedeutender Erdölfund nördlich von Peine breites Interesse auf sich. In hoffnungsvoller Erwartung wurde der Ort, in dem die Bohrmeister und Arbeiter wohnten Ölheim genannt.
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Erdölfeld Oelheim um 1890
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Von Anfang dabei und auch schon früh international tätig, hat sich in Deutschland eine Erdöl- und Erdgasgewinnungsindustrie entwickelt, die heute zu den Schlüsselindustrien in Norddeutschland und technologisch zur Weltspitze gehört.
Zukunft braucht Pionierleistungen
In den 150 Jahren seit den ersten Ölfunden stand die Erdöl- und Erdgasförderung immer wieder vor bedeutenden technologischen Herausforderungen. Ohne Pionierleistungen, ohne ständigen technischen Fortschritt wäre es nicht möglich gewesen, die Mengen an Energie zu gewinnen, die für die wirtschaftliche und industrielle Entwicklung sowie die zunehmende Mobilität benötigt wurden. Dabei stellte sich heraus, dass technische Entwicklungen aufeinander aufbauten. Pionierleistungen ebneten den Weg, weitere Herausforderungen meistern zu können. Die Fortschritte bezogen sich auf alle Bereiche der Aufsuchung und Gewinnung von Erdöl und Erdgas: Bohrtechnik, geologische Voruntersuchungen sowie Fördertechnik. Die Entwicklung der Seismik führte dazu, dass auch an die Bohrtechnik höhere Anforderungen gestellt wurden. Die Seismik zeigte Potenziale in tieferen Gesteinsschichten auf und die Fortschritte in der Bohrtechnik ermöglichten immer tieferes Bohren. Während die ersten Bohrungen vor 150 Jahren Lagerstätten rund 30 Meter unter der Erde erschlossen haben, erreichen in Deutschland heute Bohrungen Erdöl- und Erdgasvorkommen in bis zu 5.000 Metern Tiefe – mit Bohrlochlängen von bis zu 10 Kilometern – zum Teil weit abgelenkt und horizontal in eine Lagerstätte hineingeführt. Für diese und andere technische Entwicklungen waren viele Einzelschritte und Pionierleistungen erforderlich.
 | moderne Bohranlage
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Zukunft braucht Öl und Gas
Erdöl und Erdgas werden noch für Jahrzehnte eine wichtige Rolle in der Energieversorgung spielen. Die Internationale Energieagentur (IEA) geht in ihrem World Energy Outlook 2008 davon aus, dass in den nächsten beiden Dekaden der Erdöl- und Erdgasbedarf um mehr als 30 Prozent steigen wird. Erdöl wird auch 2030 weltweit der wichtigste Energieträger sein; die Bedeutung von Erdgas wird weiter steigen.
Zukunft braucht Ideen
Die permanente technologische Weiterentwicklung in 150 Jahren Erdöl- und Erdgasproduktion gibt auch die Richtung für die nächsten Jahrzehnte vor. Große Anstrengungen, bahnbrechende Innovationen und Pionierleistungen werden auch zukünftig benötigt, damit die Erdöl- und Erdgasversorgung gewährleistet werden kann. Deshalb investiert die Erdöl- und Erdgasgewinnungsindustrie viel in Forschung und Entwicklung.
Zukunft braucht kluge Köpfe – more brain per barrel
Der steigende Erdöl- und Erdgasbedarf weltweit und die zunehmende technische Komplexität der Erschließung von Lagerstätten eröffnet gute Perspektiven für hochqualifizierten naturwissenschaftlichen und technischen Nachwuchs. Die deutschen Erdöl- und Erdgasproduzenten engagieren sich, um begabte junge Menschen für technische und naturwissenschaftliche Themen zu interessieren. Dies beginnt bereits in der Schule und führt bis zur Unterstützung der einschlägigen Universitäten, damit auch in Deutschland qualifizierter Nachwuchs auf höchstem Niveau ausgebildet wird, denn Zukunft braucht Energie.