Abb.: Fossile Energieträger zu finden, ist Lutz Peters Beruf(ung). Ob am Schreibtisch oder auf der Bohranlage – seine Fachkenntnisse sind wichtig, um Bohrungen erfolgreich durchzuführen.
Ein Portrait von Dr. Carolina de León Schillgalies
Nach fossilen Rohstoffen wollte Lutz Peters nie suchen – er wollte sie finden. Das wusste er schon vor seinem Studium, als er zuerst im Kohlebergwerk und dann auf einem Bohrturm als Praktikant mitarbeitete. Da er Bohringenieur werden wollte, spezialisierte er sich an der TU Clausthal auf Tiefbohr-, Erdöl- und Erdgasgewinnungstechnik.
Nach Abschluss seines Studiums aber war die Situation am Markt schlecht. Der Ölpreis rutschte 1986 auf weniger als 10 US-$ pro Barrel. „Damit hatte sich das mit dem Bohren nach fossilen Energieträgern erst einmal erledigt“, erinnert er sich. Schließlich bot sich ihm beim Kavernenbau die Chance, „so richtig zu bohren“ – doch da fand er keine Kohlenwasserstoffe, sondern Salz. Bei der Erschließung von Erdöl- und Erdgasvorkommen als Bohringenieur mitzuwirken, diese Möglichkeit ergab sich 1998 in der Abteilung Bohr- und Fördertechnik der RWE Dea.
„Das Spannende an meinem Beruf“, erzählt Lutz Peters, „ist das große Rätselraten, mit dem jede Bohrung beginnt.“ Obwohl Geologen und Geophysiker immer genauere Modelle von den Gesteinsschichten unterhalb der Erdoberfläche erstellen können, bleiben es doch Annahmen, Schätzungen und theoretische Prognosen. Selbst wenn in unmittelbarer Nähe der vermuteten Lagerstätte bereits erfolgreich Erdöl oder Erdgas gefördert wird, ist auch dies noch lange keine Garantie, dass man nicht ein paar Meter weiter nur auf Wasser stößt. „Die Gesteinsschichten im Untergrund gleichen“, so weiß Lutz Peters aus seiner Erfahrung im Untertagebau, „einem Marmorkuchen“. Von einem erdöl- oder erdgasfündigen Gebiet auf ein anderes zu schließen, ist daher nur bedingt möglich. „Solange wir nicht wie bei Jules Verne zum Mittelpunkt der Erde reisen und uns umschauen können“, scherzt er, „liegt für uns alles im wahrsten Sinne des Wortes im Dunkeln.“
Umso aufregender ist es dann, eine Explorationsbohrung vorzubereiten, mit der die Vermutungen von Geologen und Geophysikern oftmals bestätigt werden können. Seit letztem Jahr arbeitet Lutz Peters an der Planung solcher Probebohrungen im Wattenmeer. Mit Hilfe des theoretisch-geologischen Bohrprofils bestimmt er in enger Zusammenarbeit mit den Kollegen eines interdisziplinären Teams die ungefähre Abfolge des Bohrverlaufs. Er überlegt sich den Durchmesser, mit dem der Trägerbereich angebohrt werden soll, holt naturfachliche Untersuchungen ein und spricht umwelttechnische Fragen mit Biologen und Zoologen ab. Auch Kosten-Risiko-Erwägungen muss er in seine Überlegungen mit einbeziehen, denn „obwohl das Geld sozusagen im Speichergestein liegt, verursacht eine Bohrung zunächst einmal Kosten.“ Daher wird mit einer Produktionsbohrung auch erst begonnen, wenn Größe, Qualität und Ergiebigkeit der neu entdeckten Lagerstätte wirklich eine wirtschaftliche Förderung ermöglichen.
„Die Vorbereitung einer Produktionsbohrung läuft prinzipiell genauso ab wie die einer Explorationsbohrung“, erläutert der Senior Referent Drilling. Auch hier entwickelt er zunächst eine Bohrplanung, legt den Bohrplatz, die einzusetzende Anlagentechnik und das Material des Unter- und Übertageequipment fest. In mehreren Gesprächen mit anderen Ingenieuren geht er seine technische Planung dann solange durch, bis die geplanten Bohrabläufe umsetzbar sind. Dabei muss er die Anforderungen des Umweltschutzes ebenso im Auge behalten wie eine möglichst kosteneffiziente Lösung. Das fertige Planungsheft übergibt er schließlich dem Bohrmeister, der seine Vorgaben umsetzt.
| Bohranlage Mittelplate |
Während auf dem Öl- oder Gasfeld die Bohrarbeiten beginnen, könnte Lutz Peters an seinem Schreibtisch in der Hamburger Unternehmenszentrale sitzen bleiben. Er muss nicht vor Ort sein, um den aktuellen Bohrbericht durchzusehen und mit seinem Ablaufplan abzugleichen, die laufenden Kosten zu kontrollieren und mit Service-Firmen zu sprechen. Der direkte Kontakt zu den Kollegen auf der Lokation, die „menschliche Seite neben der Technik“, ist ihm aber wichtig. „In einem persönlichen Gespräch erfährt man viel mehr als aus Protokollen“, erklärt er und telefoniert deshalb entweder täglich mit dem Oberbohrmeister oder fährt selbst zur Bohrung. Seine Anwesenheit vor Ort ist vor allem dann sinnvoll, wenn etwas Außergewöhnliches vorliegt. „Dann kann ich den Bohrmeister unterstützen, indem ich mit ihm und den anderen Ingenieuren die notwendigen Maßnahmen durchspreche und bei der Ausführung dabei bin.“
| auf dem rig floor | |
Diese unmittelbare Nähe zum Bohrbetrieb war für Lutz Peters Grund genug, um 2001 nach Afrika umzuziehen. Er übernahm die Planung von Ablenkungsbohrungen für die Konzessionen der RWE Dea in Ägypten, lebte zwei Jahre lang mit seiner Frau und den drei kleinen Kindern in der Nähe von Kairo – eine Erfahrung, an die sich die gesamte Familie immer noch gerne erinnert. „Es ist sehr spannend, im Ausland zu leben und eine neue Kultur mit ihren Sitten und Bräuchen kennen- und verstehen zu lernen.“ Es verwundert daher nicht, dass Lutz Peters gerne wieder ins Ausland gehen möchte. „Die besten beruflichen Voraussetzungen habe ich ja“, meint er, „denn fossile Energieträger gibt es fast überall auf der Welt, und Bohringenieure werden immer gebraucht.“
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